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April 2, 2018

Flexi-Leine – Segen und Fluch

Bei manchen Dingen scheiden sich die Geister, und so ist es auch bei der Flexi-Leine: entweder man liebt sie oder man hasst sie. Aber wann ist ein Einsatz sinnvoll, und wann sollte man lieber zur Schleppleine greifen?

 

Die Original-Flexi wurde 1972 in Hamburg von Manfred Bogdahn erfunden, heute ist Flexi der Inbegriff für Roll-Leinen. Die Idee: dem Hund Freiheit und dem Besitzer Kontrolle geben. So kann der Vierbeiner stehen bleiben und an Sachen schnuppern oder einfach mal vorlaufen – und das relativ unabhängig vom Besitzer. Ein an sich guter Grundgedanke.

 

Das Problem mit der Flexi

Die Flexi-Leine macht es dem Hundebesitzer vermeintlich einfach eine mangelnde Impulskontrolle zu kaschieren, und so bleiben viele Hunde, die zum Beispiel an einem Jagdproblem leiden, die meiste Zeit angeleint. Aber kann ein Spaziergang an der Flexi die Bedürfnisse eines Hundes auf lange Sicht befriedigen? Sicher nicht! Die Alternative ist ein zeitintensives Anti-Jagd-Training mit Schleppleine – davor schrecken viele Besitzer zurück. Für den Hund jedoch wäre das die bessere Alternative.

Negativ im Umgang mit einer Rollleine sind ebenso die eingeschränkte Kontrolle über den Hund (Was tun, wenn der Vierbeiner 10 Meter vor dir auf dem Radweg plötzlich die Seite wechselt??) und die damit einhergehende Verletzungsgefahr für andere Menschen und entgegenkommende Radfahrer, die die dünne Leine zu spät erblicken.

 


Ist der Hund weit voraus, ist die Kontrolle über den Hund sehr eingeschränkt.

 

Am schlimmsten aber ist die Tatsache, dass für einige Hundehalter eine der wichtigsten Grundregeln im Zusammenleben mit anderen Mensch-Hund-Teams nicht mehr zählt: kein Hundekontakt an der Leine! Denn eine solche Situation bietet Eskalationspotential, denn viele Hunde fühlen sich an der Leine im Sozialkontakt mit anderen Artgenossen nicht wohl, da ihr möglicher Fluchtweg durch den Einsatz einer Leine verkürzt ist. Wird ein Hund aber fast nur an der Flexi geführt, wäre ein wichtiges Bedürfnis des Hundes eingeschränkt: Der Sozialkontakt!

 

Wenn Flexi, dann richtig

Was also tun? Die Flexi-Leine sollte so spärlich wie möglich und so oft wie nötig eingesetzt werden. Zum Beispiel ist sie ein wunderbares Mittel um dem Hund in Naturschutzgebieten oder Gebieten mit Leinenzwang doch noch eingeschränkten Freilauf zu ermöglichen. Die Grundregeln des höflichen Umgangs mit anderen Menschen und Hunden sollten dennoch nicht missachtet werden:

  • Leine kurz, wenn andere Hunde oder Radfahrer kommen
  • kein Hundekontakt an der Leine

Kann der Hund auf Grund seiner jagdlichen Ambitionen gar nicht frei laufen, sollte man sich eine wildfreie Gegend suchen oder ein eingezäuntes Gelände (beispielsweise bei einer Hundeschule) wo der Hund sich ungehindert bewegen kann, um seinem Laufbedürfnis nachkommen zu können. Dort kann zum Beispiel auch der nötige Sozialkontakt stattfinden.

Grundsätzlich kann die Flexi-Leine also ein super Hilfsmittel für gewisse Stunden sein. Sie ist aber kein Ersatz für eine solide Grunderziehung und Impulskontrolle des Hundes und sollte kein dauerhaftes Anhängsel des Vierbeiners sein.

In diesem Sinne: an die Flexi, fertig, los!
Mira

 

 

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