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April 9, 2018

Beschwichtigungssignale der Hunde – Zusammenfassung der Diplomarbeit

Beschwichtigungssignale sind für in Gruppen lebende Tiere ein äußerst wichtiges Kommunikationsmittel. Sie verhindern unnötige kräftezehrende Auseinandersetzungen und sichern ein friedliches Zusammenleben. In dieser Arbeit wurden sieben der 29 als Beschwichtigungssignale bei Hunden (Canis lupus f. familiaris) behaupteten Signale auf ihren beschwichtigenden Charakter hin überprüft.

 

Die Diplomarbeit entstand in Kooperation mit der TU München, Dr. Udo Gansloßer und Günther Bloch. Es wurden ausgewählte Signale in einer freilebenden Hundegruppe untersucht. Die Diplomarbeit entstand noch unter meinem Geburtsnamen Mira Meyer.

 

Wer wurde beobachtet

Die Untersuchung wurde an 13 wild lebenden Haushunden in der Toskana durchgeführt. Zum Untersuchungszeitpunkt bestand die Gruppe aus zwei Hündinnen und elf Rüden im Alter zwischen vier Monaten und 13 Jahren. Alle Hunde wurden in Freiheit geboren und haben zu Menschen keinen direkten Bezug. Einmal täglich werden sie von Tierschützern gefüttert.

 

Wie und was wurde beobachtet

Die Tiere wurden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang beobachtet. Erfasst wurde jedes Auftreten der vorher definierten Signale. Schnüffeln, Vorderkörpertiefstellung, Gähnen und Harn absetzen waren die vorrangig zu untersuchenden Signale. Als Referenz dienten Pföteln, Licking Intentions und Sich-Klein-Machen, die bereits von Canidenforschern als Beschwichtigungssignale beschrieben wurden. Zusätzlich wurde die Situation unmittelbar vor und nach der Beschwichtigung erfasst und festgehalten, ob sich die Hunde in Gesellschaft eines möglichen Interaktionspartners befanden.

 

Statistik

Ob eine Abhängigkeit zwischen einer Verhaltensweise und einer vorhergehenden besteht, wurde durch die Analyse einer Markovkette erster Ordnung mittels x-x und x-y-Matrizen überprüft. Bezüglich der Begleitumstände wurde eine Frequenzanalyse und ein dazugehöriger zweiseitiger Wilcoxon-Test durchgeführt (für alle Signale gilt: p≤0.004 (n=4883)).

 

Poster zur Diplomarbeit „Beschwichtigungssignale der Hunde“

 

Ergebnis

Die Hunde zeigten die bereits anerkannten Signale sehr viel häufiger in Situationen in denen sie einen direkten Partner hatten und eine potentiell konfliktträchtige Situation vorherrschte. Die angezweifelten Signale sah man häufiger in nicht konfliktträchtigen Situationen ohne Partner. Insgesamt traten die in ihrer Wirkung noch nicht bestätigten Signale viel häufiger in Situationen auf, die entspannt waren und in denen sich kein potentieller Empfänger für das Signal in der Nähe des Senders befand. Es ist also anzunehmen, dass die angezweifelten Signale keinen beschwichtigenden Charakter haben und so auch nicht der Aggressionsvermeidung oder dem harmonischen Zusammenleben in einer Gruppe dienlich sind, was der Hauptfunktion der Beschwichtigungssignale entspräche.

 

Fazit

Nicht alle der heute als Beschwichtigungssignale betrachteten Signale haben tatsächlich eine beschwichtigende Wirkung. Wertet ein Hundebesitzer jedes ausgesendete Signal seines Hundes als Beschwichtigung, führt das oft dazu, dass die Befehlsausführung vom Menschen nicht eingefordert wird. Der Hund lernt, dass es nicht notwendig ist ein Kommando auszuführen, wenn er vorher ein vermeintliches Beschwichtigungssignal sendet – und dadurch leidet der Gehorsam. In unserer Gesellschaft, in der wir auf begrenztem Raum miteinander leben, ist das keine gute Ausgangsbasis für ein stressfreies Zusammenleben zwischen Mensch und Hund.

 

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